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Eine willkommene Abwechslung

22. Januar 2011 | 06:20 Uhr | Von wis

Mit der Jugend Karten zu spielen, ist beliebt bei den älteren Menschen. Foto: wis

"Wir wussten zu Anfang nicht, ob wir dieses Projekt überhaupt anbieten sollten", erinnert sich Britta Lenz, Lehrerin an der Tönninger Gemeinschaftsschule, "bekamen aber dann bereits bei der Planung gute Resonanz von Schülern und Eltern." Gemeint ist die Aktion "Jung hilft Alt", die nach den Sommerferien 2010 begann. Schülerinnen und Schüler besuchen Senioren im Alten- und Pflegeheim Paul-Gerhardt-Haus. Jeweils donnerstags kommen die Jungen und Mädchen im Rahmen der Offenen Ganztagsschule ins Heim, um mit einigen Bewohnern Gesellschaftsspiele zu spielen, ihnen vorzulesen oder gemeinsam zu singen.

Das geht natürlich nicht ganz ohne Anleitung - die Jugendlichen werden von Claudia Klein, langjährige Mitarbeiterin des Paul-Gerhardt-Hauses, und Tina Scherer von der Gemeinschaftsschule begleitet. Die Kinder aus den fünften, sechsten und siebten Klasse zeigten großes Interesse, es meldeten sich gleich 16. Mit der Zeit aber wurde die Gruppe kleiner, so dass derzeit acht junge Betreuer tätig sind. "Man muss natürlich die Stimmungen und die Empfindungen der Schülerinnen und Schüler auffangen", erläutert Tina Scherer, "denn ihnen wird mit der Zeit schon klar, dass bei den von ihnen Betreuten durchaus einmal jemand sterben kann." Claudia Klein sieht in dieser Tätigkeit für die Schüler eine gute Möglichkeit, sich auf ein späteres Ehrenamt vorzu bereiten, und hat eigentlich nur ein organisatorisches Problem: "Die Kinder kommen schon um 14 Uhr, und da halten manche Senioren noch ihre Mittagsstunde." Das lässt sich aber nicht ändern, denn die Kinder, die auf den Bus angewiesen sind, müssen um 15 Uhr weg. Ein kleiner Trost: Einige Schüler, die in Tönning wohnen, bleiben gern etwas länger bei den Senioren.

Derzeit überlegen die Pädagogen der Gemeinschaftsschule, ob diese Betreuung nicht auch für Senioren angeboten werden könnte, die noch in ihrer eigenen Wohnung leben.

Inzwischen hat auch ein Heimbewohner, der grundsätzlich niemals an Gruppen-Veranstaltungen teilnimmt, eine Art persönlichen Betreuer unter den Kindern gefunden: Als er erfuhr, dass einer der Jungen ein ausgesprochener Fußball-Fan ist, lud er ihn ein, gemeinsam mit ihm im Zimmer entsprechende Sportübertragungen im Fernsehen anzuschauen. Ohnehin passiert das, was Britta Lenz "soziales Geschehen" nennt, auch außerhalb der Projektgruppe - zwei Mädchen aus der zehnten Klasse der Gemeinschaftsschule betreuen ebenfalls freiwillig alte Menschen im Paul-Gerhardt-Haus. Sie kommen immer am Dienstag- und Freitagnachmittag. Die Bewohner des Heims freuen sich über den Besuch der Kinder, auch wenn einige nicht aktiv mit machen, sondern lieber zuschauen. So auch eine betagte Dame, die mit ihrem Rollator an der Fahrstuhltür eher für sich bemerkte: "Das war heute wieder eine schöne Abwechslung."